Fresh Fried – The Menu
LNZ 17.1 + 17.2


Viele Köche verderben den Brei? Jedenfalls nicht, wenn sich drei ausgesprochene Meister der Minimal Cuisine ihre Molekular-synthetischen Ergebnisse bereiten. Und an Brei sollte man dabei gar nicht erst denken. So wandert aus dem Hessenland direkt zu uns frisch auf den Tisch der Debüt-Longplayer von FRESH FRIED. Jenem jungen Gemeinschaftsprojekt der Produzenten Chris Wood, Nedzad Berovic und Frank Leicher, das sich bereits mit den LNZ-Releasen 50 WAYS und zuletzt MADNESS europaweit an die höchsten Chart-Positionen tonangebender Tech-House-DJs katapultierte. Entsprechend wäre es sicher ein Leichtes gewesen, das jetzt zubereitete, acht Track-Gänge umfassende „MENU“ mit den bereits erschienenen Köstlichkeiten erneut zu offerieren, um dem Label einen wiederholten Verkaufserfolg zu garantieren. Aber FRESH FRIED hießen nicht FRESH FRIED, wäre nicht alles hundertprozentig neu eingespielt.
Was die Jungs so alles an 5-Sterne-trächtigen Spezialitäten auf unsere Teller legen, beweist bereits der dampfende Opener INSTANT SOUP. Ein Groove-Genuss mit knackig gefilterten Vocal-Sample Croutons, 808-cremig in der Konsistenz und Basstrüffel-vermengt, solange befeuert, bis der dramatische Druck den Deckel vom Topfe hebt. Und wie der Hinweis „Album Version“ schon verrät, wird dieser Hypno-Höhepunkt auch als Remix-LP mit grandiosem Matt Star-Mix nach dem Album erhältlich sein.
Als zweiten „The Menue“-Gang reichen uns die Jungs mit HEART OF PALM sagenhaft lebhafte Microhouse-Kost, die dank ihrer end-funkigen Finesse den Kern des Minimalimus fachgerecht freilegt und so auch das Mark des Clubbers wie sonst nur noch selten trifft.
Gefolgt von MAKI als Klebreis-feines Sushi-Röllchen, welches seinem herzhaften Flaver dem speziellen FRESH FRIED Flanger-Wasabi verdankt. Und während bei anderen Alben spätestens nach einer kunstvoll texturierten, zart zergehenden Lounge-Pastete wie FOIE GRAS das große Würgen beginnt, kommen Wood, Berovic & Leicher geschmacklich noch einmal richtig in Schwung.
So lässt sich überaus genüsslich an den Bassknarz-scharf angebratenen FROG LEGS à la Electro Parisienne nagen, während die bis aufs bittersüße Fruchtgeheimnis reduzierte BURNT ORANGE ein Tech House-Erlebnis klangsaftigster Art entfaltet.
Und bevor THE MENUE mit dem Azteken-mystischen, hallherb warm dubwärts fließenden LIQUID CHOCOLATE seinen formvollendeten Abschluss findet, lassen FRESH FRIED mit CHILI einen Reigen bunter Bongo-Bohnen tanzen, um unsere Muskeln mit hochwertig perkussivem Protein zu versorgen.
So haben es Wood, Berovic & Leicher tatsächlich geschafft, mit THE MENUE ein stilistisch facettenreiches Debütalbum abzuliefern, das anmacht, vollends befriedigt, aber niemals pappsatt macht.



